Im Wasser

Im Wasser

Das Wasser der Salinen von Sečovlje ist nicht überall gleich. An manchen Stellen ist es fast Meerwasser, anderswo brackig, während es in Randgräben, Feuchtgebieten und entlang der Dragonja deutlich süßer werden kann. Gerade dieses Zusammentreffen von Salz-, Brack- und Süßwasser schafft einen außergewöhnlichen Lebensraum für Tiere, die starke Schwankungen von Salzgehalt, Temperatur, Wasserstand und Sauerstoff ertragen können.

In den salzreichsten Becken leben kleine Salinenkrebschen, darunter Artemia parthenogenetica. Sie sind winzig, spielen aber für das Ökosystem der Salinen eine große Rolle. Sie ernähren sich von mikroskopisch kleinen Algen und sind selbst eine wichtige Nahrungsquelle für viele Wasservögel. Wenn das Wasser austrocknet und die Bedingungen schwierig werden, können ihre widerstandsfähigen Eier im trockenen Schlamm überdauern, bis das Wasser zurückkehrt. In den Salinen bedeutet Leben oft genau das: warten können.

In den Kanälen, Salzlachen und flachen Gewässern leben außerdem die Mittelmeer-Strandkrabbe (Carcinus aestuarii), Upogebia pusilla, Weichtiere, Vielborster, Insektenlarven und viele andere kleine Wirbellose. Die meisten Besucher bemerken sie kaum, doch ohne sie würde ein wichtiger Teil des Nahrungsnetzes fehlen. Sie machen aus scheinbar stillem Schlamm einen lebendigen und produktiven Lebensraum.

Zu den Fischen, die besonders gut an solche Bedingungen angepasst sind, gehören der Mittelmeer-Kärpfling beziehungsweise Südeuropäische Zahnkarpfen (Aphanius fasciatus) und die Kaukasus-Grundel (Knipowitschia caucasica). In größeren Kanälen, die mit dem Meer verbunden sind, kommen auch Wolfsbarsche (Dicentrarchus labrax), Goldbrassen (Sparus aurata) und andere Meeresfische vor. Ihre Anwesenheit zeigt, dass die Salinen nicht vom Meer getrennt sind, sondern über Kanäle, Gezeiten und Wasserbewirtschaftung weiterhin mit ihm verbunden bleiben.

Eine besondere Rolle spielt die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), die einzige einheimische Süßwasserschildkröte Sloweniens. In den Salinen von Sečovlje findet man sie vor allem entlang der Dragonja, im Gebiet Stojbe und in den Süßwasserbereichen bei Rudnik. Obwohl wir sie meist als Wassertier sehen, braucht sie auch Land: ruhige Ufer, sonnige Plätze zum Aufwärmen, schlammige Böden zum Verstecken und geeignete trockene Stellen, an denen die Weibchen ihre Eier ablegen können.

Im Wasser und an seinen Rändern lebt auch die Würfelnatter (Natrix tessellata), eine ungiftige und für den Menschen harmlose Wasserschlange. Sie bewegt sich geschickt durch Gräben, Kanäle und brackige Gewässer und ernährt sich vor allem von Fischen und Amphibien. Am Rand der Salinen kann besonders im Frühjahr auch die Erdkröte (Bufo bufo) erscheinen. Sie verbringt den größten Teil des Jahres an Land, kehrt aber zur Fortpflanzung ans Wasser zurück.

Wenn wir auf das Wasser der Salinen blicken, sehen wir also keine leere Oberfläche. Unter der Wasseroberfläche, im Schlamm, zwischen Algen und an den Rändern der Kanäle entfaltet sich ein dichtes Netz des Lebens. Jedes Krebschen, jeder Fisch, jede Krabbe und jede Schildkröte gehört zu einer größeren Geschichte: Das Wasser ernährt die Vögel, der Schlamm schützt kleine Tiere, die Sonne erwärmt die Flachwasserbereiche, und die sorgfältige Wasserbewirtschaftung hilft, diese empfindliche Welt zu erhalten.