Auf dem Boden

Auf dem Boden

Im wasser

Auf den ersten Blick kann der Boden der Salinen karg und fast leer wirken. Im Sommer ist er heiß und trocken, im Winter dem Wind ausgesetzt, an vielen Stellen salzig, rissig oder von weichem Schlamm bedeckt. Doch gerade auf diesem anspruchsvollen Boden lebt eine überraschend große Vielfalt von Tieren. Manche sind winzig und beinahe unsichtbar, andere hinterlassen nur Spuren, wieder andere sieht man nur für einen Augenblick zwischen Steinen, Schilf, Dämmen oder den Ruinen alter Salinenhäuser.

Zu den charakteristischen Tieren gehören Insekten und andere kleine Wirbellose, die an feuchten Rändern, im Schlamm und auf den Dämmen leben. An den Ufern der Wasserflächen und auf leicht nassem Boden laufen Uferwanzen wie Halosalda lateralis rasch auf der Suche nach Beute umher. Auf den Dämmen zwischen den Salzfeldern öffnen sich kleine Eingänge zu den Nestern bodennistender Wildbienen wie Pseudapis bispinosa. Jedes Weibchen gräbt sein eigenes Nest, und an manchen Stellen entstehen kleine Kolonien.

Im Schilf lebt außerdem eine ungewöhnliche Zikadenart, Caliscelis wallengreni. Ihre verbreiterten Vorderbeine erinnern an Spinnenbeine. Solche Arten werden von Besuchern oft übersehen, zeigen aber besonders deutlich, wie speziell die Mikrohabitate der Salinen sind.

Eine der wertvollsten Arten der terrestrischen Lebensräume ist der Hecken-Wollafter (Eriogaster catax), ein nachtaktiver Schmetterling, der vor allem an junge, gut besonnte Schlehen- und Weißdornsträucher gebunden ist. Sein Vorkommen ist kein Zufall. Er braucht das richtige Zusammenspiel von Gebüsch, Licht, Wärme und Feuchtigkeit. Wenn die Sträucher zu dicht werden oder von invasiven Pflanzen beschattet werden, verschlechtert sich sein Lebensraum. Die Pflege der Dämme und der Strauchvegetation ist deshalb auch eine konkrete Maßnahme zum Schutz der biologischen Vielfalt.

Auf warmen Wegen, Dämmen und zwischen den Ruinen der alten Salinenhäuser ist die Ruineneidechse oder Italienische Mauereidechse (Podarcis siculus campestris) häufig. Unter den Schlangen kommen die schwarze Form der Gelbgrünen Zornnatter (Hierophis viridiflavus carbonarius), die Äskulapnatter (Zamenis longissimus) und die Würfelnatter (Natrix tessellata) vor. Auch die seltene Vierstreifennatter (Elaphe quatuorlineata) wurde nachgewiesen. Schlangen sind meist scheu und weichen dem Menschen aus; in der Natur erfüllen sie jedoch eine wichtige Rolle als Jäger kleiner Wirbeltiere.

Unter den Säugetieren leben oder erscheinen hier die Waldmaus (Apodemus sylvaticus), die Hausmaus (Mus musculus), die Zwergmaus (Micromys minutus), die Hausratte (Rattus rattus), die Etruskerspitzmaus (Suncus etruscus) und verschiedene Weißzahnspitzmäuse. In ruhigeren Bereichen oder anhand ihrer Spuren im Schlamm erkennt man auch Feldhase (Lepus europaeus), Rotfuchs (Vulpes vulpes), Goldschakal (Canis aureus), Europäischen Dachs (Meles meles), Wildschwein (Sus scrofa) und Reh (Capreolus capreolus). Rehe wandern manchmal tief in die Salinen hinein, auch weil sie vom Salz angezogen werden.

Die Tiere am Boden zeigen uns, dass die Salinen nicht nur eine Landschaft aus Wasser und Vögeln sind. Sie sind auch eine Welt aus Bauen, Spuren, Verstecken, sonnenwarmen Mauern, trockenen Dämmen und schlammigen Rändern. Wenn wir langsam gehen und aufmerksam schauen, entdecken wir, dass sich das Leben nicht nur am Himmel oder im Wasser abspielt, sondern auch direkt unter unseren Füßen.